888 Holdings übernimmt William Hill International – Analyse des Deals
Deal-Übersicht
888 Holdings schloss am 1. Juli 2022 die Übernahme des internationalen (nicht-US-amerikanischen) Geschäfts von William Hill von Caesars Entertainment ab. Der Transaktionswert lag zwischen 1,95 und 2,05 Milliarden Pfund Sterling – eine Reduzierung um 250 Millionen Pfund Sterling gegenüber dem ursprünglich vereinbarten Preis von 2,2 Milliarden Pfund Sterling, der bei Bekanntgabe des Deals im September 2021 festgelegt worden war. Die Preisreduzierung spiegelte Veränderungen der Geschäftsentwicklung und der Marktbedingungen zwischen Ankündigung und Abschluss wider. Durch den Zusammenschluss entstand einer der fünf größten Online-Wett- und Glücksspielkonzerne der Welt. Er vereint die Technologie und digitalen Kompetenzen von 888 mit der traditionsreichen Marke William Hill, dem Filialnetz von 1.414 Wettbüros in Großbritannien und der etablierten Online-Präsenz unter der Marke Mr Green auf den europäischen Märkten.
Warum dieser Deal strukturell ungewöhnlich war
Die Transaktion war der zweite Schritt eines zweistufigen Prozesses, der mit der Übernahme von William Hill durch Caesars Entertainment im April 2021 für 3,7 Milliarden US-Dollar begann. Caesars interessierte sich ausschließlich für das US-Sportwettengeschäft von William Hill – insbesondere für die Beziehungen zu stationären Wettbüros und die Technologie, die Caesars im schnell wachsenden US-Markt wettbewerbsfähig machen sollten. Das internationale Geschäft war von Anfang an zum Verkauf vorgesehen, und 888 erwarb das Nicht-US-Geschäft mit Aktivitäten in Großbritannien, Europa und dem Rest der Welt.
Für den Deal musste 888 rund 500 Millionen Pfund an neuem Eigenkapital aufbringen – eine Kapitalerhöhung, die eine erhebliche Verwässerung für die bestehenden Aktionäre bedeutete und den transformativen Charakter der Transaktion für einen bis dahin deutlich kleineren, rein online tätigen Anbieter verdeutlichte.
Die Herausforderungen bei Evoke Rebranding und Integration
Die fusionierte 888/William Hill-Gruppe firmierte 2023 unter dem Namen Evoke plc, doch die Integration erwies sich als schwieriger als erwartet. Das Unternehmen war aufgrund der Übernahme hoch verschuldet und sah sich durch regulatorische Änderungen in Großbritannien – insbesondere im Hinblick auf die Anforderungen für verantwortungsvolles Spielen und die Überprüfung des Glücksspielgesetzes 2023 – mit Gegenwind konfrontiert, was die Margen im William Hill-Filialnetz schmälerte. Das Management von Evoke leitete in den Jahren 2023 und 2024 umfangreiche Restrukturierungsmaßnahmen ein, darunter eine strategische Überprüfung des Filialnetzes.
Wichtigste Fakten
- Transaktionsmultiplikator: ca. 7,5x normalisiertes EBITDA (vor Synergieeffekten), 5,7x nach Synergieeffekten
- Bis zu 100 Mio. £ aufgeschobene Gegenleistung, zahlbar im Jahr 2024 auf Basis des bereinigten EBITDA der erweiterten Gruppe
- Kapitalerhöhung von 888: Ausgabe neuer Aktien im Wert von ca. 500 Mio. £ zur Finanzierung der Akquisition
- William Hill-Einzelhandelsgeschäfte übernommen: 1.414 Wettbüros in Großbritannien
- Weitere Marken waren: Mr Green, SI Sportsbook (international), William Hill Online
- 2023: Die fusionierte Unternehmensgruppe firmiert nun unter dem Namen Evoke plc
- CEO nach Fertigstellung: Itai Pazner (888), Nachfolger Per Widerstrom (Evoke, 2023)
Marktsignal
Dieser Deal verdeutlicht die Komplexität von Carve-out-Akquisitionen im regulierten Glücksspielsektor – wenn ein Verkäufer die Vermögenswerte einer Jurisdiktion übernehmen und die übrigen veräußern muss. Er zeigt auch das Integrationsrisiko auf, das mit der Zusammenführung eines rein digitalen Anbieters (888) mit einem Multichannel-Einzelhandelsunternehmen (William Hill) einhergeht, insbesondere wenn regulatorische Hürden das übernommene Unternehmen kurz nach Abschluss der Transaktion belasten. Für mittelständische Käufer im iGaming-Bereich dient die Schuldenlast und die anschließende Restrukturierung bei Evoke als warnendes Beispiel für den Umgang mit Akquisitionshebeln.
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