Amaya Gaming übernimmt PokerStars und Full Tilt – Analyse des Deals
Deal-Übersicht
Im Juli 2014 schloss Amaya Gaming – ein vergleichsweise kleines, in Montreal ansässiges Unternehmen für Glücksspieltechnologie – die wohl kühnste Übernahme in der Geschichte des Online-Glücksspiels ab: Für 4,9 Milliarden US-Dollar erwarb das Unternehmen die Rational Group, die Muttergesellschaft von PokerStars und Full Tilt Poker. PokerStars war damals mit Abstand die größte Online-Pokerplattform der Welt und verarbeitete täglich mehr Echtgeld-Pokerspiele als alle anderen Pokerseiten zusammen. Amaya finanzierte die Übernahme durch eine Kombination aus Fremd- und Eigenkapital – und erhöhte damit, gemessen an der damaligen Unternehmensgröße, die Verschuldung erheblich, um einen Deal abzuschließen, der um ein Vielfaches größer war als das Unternehmen selbst.
Warum dieser Deal beispiellos war
Die Übernahme war aus drei Gründen beispiellos. Erstens aufgrund des enormen Größenunterschieds: Amaya war ein kleines B2B-Unternehmen für Glücksspieltechnologie und erwarb Vermögenswerte, die weit über seiner eigenen Marktkapitalisierung lagen. Zweitens aufgrund des Rufs: PokerStars war nach den Maßnahmen des US-Justizministeriums am „Schwarzen Freitag“ (April 2011) faktisch vom US-Markt verbannt worden, und die Gründer des Unternehmens sahen sich mit noch offenen US-Rechtsstreitigkeiten konfrontiert, die den Verkauf erschwerten. Drittens aufgrund der strategischen Implikationen: Amaya erwarb nicht nur ein Unternehmen, sondern auch einen Weg zurück in die US-Regulierung – eine Wette darauf, dass Online-Poker in den USA schließlich schrittweise wieder legalisiert würde.
Die US-Wiedereingliederungsthese
Die US-Regulierungsprognose erwies sich als vorausschauend, jedoch langsamer als erwartet. PokerStars startete schließlich 2016 in New Jersey unter der Marke Stars Group, nachdem Amaya ein Rebranding durchgeführt hatte. Die Plattform expandierte anschließend nach Pennsylvania und Michigan. Obwohl der US-Pokermarkt nie wieder das Ausmaß der Zeit vor dem „Black Friday“ erreichte, war die US-Präsenz der Stars Group – und die damit verbundene Glaubwürdigkeit durch den Betrieb regulierter US-Lizenzen – ein entscheidender Bestandteil des Wertes, den Flutter Entertainment schließlich im Zuge der Fusion mit der Stars Group im Jahr 2020 erwarb.
Die Transformation der Stars Group
Nach der Übernahme von PokerStars firmierte Amaya 2017 in The Stars Group (TSG) um und verfolgte eine aggressive Diversifizierungsstrategie. Um die Abhängigkeit von Poker zu verringern, wurden Casino-, Sportwetten- und Daily-Fantasy-Produkte ins Portfolio aufgenommen. TSG akquirierte BetEasy in Australien und Sky Betting and Gaming in Großbritannien (4,7 Mrd. US-Dollar, 2018), bevor das Unternehmen 2020 in einer Transaktion im Wert von über 10 Milliarden Pfund mit Flutter Entertainment fusionierte. Die gesamte Wertschöpfungskette lässt sich auf Amayas Investition in PokerStars im Jahr 2014 zurückführen.
Wichtigste Fakten
- PokerStars-Marktanteil zum Zeitpunkt der Übernahme: ~70 % des weltweiten Online-Poker-Verkehrs
- Full Tilt Poker: im Rahmen der Übernahme durch die Rational Group enthalten
- Die Marktkapitalisierung von Amaya zum Zeitpunkt der Transaktion betrug ca. 500 Mio. CAD – ein Bruchteil des Transaktionswerts
- Finanzierung des Deals: hauptsächlich Fremdkapital plus Eigenkapitalaufnahme
- 2017: Amaya firmierte in The Stars Group um
- 2020: TSG fusionierte mit Flutter Entertainment in einem Deal im Wert von über 10 Milliarden Pfund
Marktsignal
Dieser Deal demonstrierte, dass gewagte, fremdkapitalfinanzierte Übernahmen im iGaming-Bereich möglich sind, wenn das Zielunternehmen über einen verteidigungsfähigen Marktanteil, eine stabile regulatorische Position und eine klare langfristige Strategie für den Wiedereinstieg in einen großen Markt verfügt. Er zeigte auch, dass Poker trotz des Rückgangs nach dem „Black Friday“ weiterhin eine enorme Markenbekanntheit besitzt, die einen hohen Kaufpreis von Betreibern mit Ambitionen auf den US-Markt rechtfertigt.
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